Beziehung statt Erziehung – Erziehung bei Kleinkindern

Jeder hat ja seine eigenen „Grenzen“, wo das nein sagen wichtig ist. Es kommt da für mich total auf den Kontext an.

Hier ein kleines Beispiel: Wenn ich mit Liam rede und er unbedingt einkaufen gehen will, dann ist das für ihn in diesem Moment total wichtig. Auch wenn er es in der Situation vielleicht nicht so gut ausdrücken kann und evtl. sogar etwas sagen will, was wir nicht ganz verstehen, dann muss ich nicht auf dem „Nein“ beharren, nur damit er weiß, dass das Leben super hart ist und mit einem „Nein“ leben muss.

Was ist, wenn wir später doch einkaufen müssen, ich vorher so sehr auf meinem „Nein“ beharrt habe, sodass ein riesiges Drama daraus entstanden ist? Was hat es mir gebracht? Dann bin ich sogar unglaubwürdig.

Ich habe in diesem Moment nicht zu ihm gesagt „Ja wir gehen einkaufen“, sondern „VIELLEICHT gehen wir AUCH einkaufen“ und er war happy. Später hat er es doch wieder vergessen.

Und was ist an dem Tag passiert? WIR WAREN EINKAUFEN 😀

Für die Kleinen ist „die Wahrheit“ noch eine ganz andere und es geht viel eher darum, dass sie sich ausdrücken wollen und gesehen werden wollen. Wegen so einer Banalität auf meinem „Nein“ zu beharren, ist für mich nicht die richtige Option. Allerdings ist das natürlich etwas anderes, wenn er z.B. etwas möchte, was ich nicht will, dann können wir wieder in die Diskussion gehen.

Wann MÜSSEN wir unseren Kindern die Grenzen zeigen?

Das ist bei jedem Menschen anders. Es geht mir mit Liam nicht darum, ihn zu ERZIEHEN und eine Autorität zu sein, sondern darum, mit ihm in Beziehung zu gehen. Seine Sicht zu sehen und zu verstehen und auch immer wieder Kompromisse zu machen. Und na klar hat jeder Mensch seine Grenzen. Die muss dann jeder für sich herausfinden und das ist nicht immer einfach mit so kleinen Persönlichkeiten, die einen starken Willen haben.

Ich hab ein Beispiel dafür, dass Autorität nicht immer hilft:

Benni’s Vater hat, wenn er und seine Brüder mit Orangen jongliert haben, ihnen ein Verbot ausgesprochen, dass man mit Essen nicht spielt. Und er ist teilweise sehr böse geworden, wenn sie es doch gemacht haben.

Was haben die Jungs gelernt? Papa wird böse, wenn er uns beim jonglieren SIEHT, also machen wir es wenn er NICHT DA ist. Und heute spielt er mit Liam mit dem Essen, wo ich ihn frage, wie kannst du damit spielen? Dein Vater hat es euch doch ganz KLAR gesagt, dass das nicht geht und das eine klare Grenze ist?

Und er lacht und sagt zu mir: „Jetzt ist er ja nicht da…“

Ich möchte das alles nicht bewerten und damit auch nicht sagen, dass wir keine Grenzen mehr brauchen. Aber ich möchte, dass uns bewusst ist, dass wir andere nicht zu unserer Überzeugung zwingen können. Wir können erklären, Kompromisse finden, besser miteinander kommunizieren und natürlich auch mal ein NoGo aussprechen.

Was ist das Ziel von Erziehung?

Die Frage ist, was wir damit wirklich erreichen. Jeder Mensch lernt immer für sich und ich kann es Liam nicht beibringen, dass die Welt ja ach so hart ist. Das wird er selber erfahren müssen.

Und Kinder sind so schlau, sie können sich immer wieder neu anpassen bei unterschiedlichen Leuten.

Ich z.B. durfte ALLES zuhause machen (bis auf fernsehen :D) und außerhalb war ich die liebste und bravste Person. Alle waren begeistert, wie toll ich „erzogen“ wurde und meine Mutter musste immer schmunzeln. Sie dachte sich so „Aha erzogen also“ und sie wusste ganz genau, dass sie uns im Leben noch nie gesagt hat „Danke“ und „Bitte“ zu sagen. Wir haben es als Kinder einfach durch Nachahmung gelernt.

Klar, wir alle könnten immer in unserer Welt und Wahrheit bleiben und andere ändern wollen. Aber genau so entstehen Streits, Frustration, das Gefühl nicht geliebt zu sein, sich schlecht zu fühlen. Und wenn wir es im großen Rahmen betrachten entstehen so auch Kriege.

Weil wir darauf BESTEHEN MÜSSEN…

3 thoughts on “Beziehung statt Erziehung – Erziehung bei Kleinkindern

  1. Avatar

    Sandhya du könntest ein Buch darüber schreiben – ich würds sofort lesen 🙂
    Auch wenn das nicht komplett neu für mich war – in der Berufsschule hatten wir das Thema kooperativeren Erziehungsstil – finde ich es doch so wichtig, dass das nicht nur theoretisch rübergebracht wird, sondern eben mit Praxisbeispielen. Ob das jetzt aus dem privaten Alltag einer Familie ist oder aus dem beruflichen Alltag in einem Betreuungsberuf. Denn obwohl man in Betreuungsberufen gerade lernt, dass man nicht bestrafen und belohnen sollte und eben die Alternative, den kooperativen Erziehungsstil, kennenlernt, sieht die Praxis leider noch sehr autoritär aus… (was aber auch damit zusammenhängt, dass auch Leute in Betreuungsberufen arbeiten, die nie eine entsprechende Ausbildung gemacht haben).
    Wie dem auch sei, ich freue mich dein Buch zu lesen 😉 🙂

  2. Avatar

    Mich würde interessieren wie du reagierst, wenn deine Grenzen überschritten sind oder es gar um gefährliche Situationen für das Kind selbst oder andere geht und ein „das gefällt Mama nicht“ und Ablenkung, nicht oder nur kurzfristig funktioniert?

    Ihr seid unfassbare Vorbilder und ich hatte auch Dank deinem Input und Denkanstößen bei meinem zweiten Baby eine wundervolle Geburt ! Danke dafür 🤗❤️

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