Eltern-Kind-Beziehung

Kinder brauchen einen bestimmten Rahmen, eine Struktur und Rituale um sich sicher und „zu Hause“ zu fühlen. Ich denke nicht, dass sie dafür ein bestimmtes Haus, einen festen Platz oder Kindergarten brauchen. Ich glaube viel mehr, dass es auf die Eltern und das Umfeld (Freunde und Familie) ankommt. Wir bieten unseren Kindern ein Zuhause. Ganz egal ob wir gerade auf Teneriffa, Bali oder in Südafrika sind.

Wenn wir als Eltern oder gar das Umfeld unsicher, unruhig oder nervös sind, dann fühlen es die Kinder ebenso. Eine Gewisse Anspannung überträgt sich auch auf die Kinder, ebenso wie sich Freude und Glücksgefühle auf unsere Kinder übertragen.

Kinder leben im hier und jetzt

Kinder sind so verbunden mit ihren Eltern und sie bewerten Situationen ganz anders als ein Erwachsener das tut. Sie leben immer von Moment zu Moment. Es gibt keine Vergangenheit oder Zukunft. Nur das hier und jetzt ist einem Kind wichtig. Da Benni und ich nicht an geregelte Arbeitszeiten gebunden sind, können wir komplett frei entscheiden, wann wir wie und wo hin gehen. Das kann manchmal zu so vielen Möglichkeiten führen, dass es überfordernd sein kann zu entscheiden.

In unseren Weltreise-Jahren haben wir so viel neues ge- und erlernt. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist aber eindeutig:

„Von deinen Kindern lernst du mehr als sie von dir“
Friedrich Rückert

Liam und Mael lehren uns jeden Tags auf Neue. Wir erhalten einfach immer so ein tolles und vor allem ehrliches Feedback von unseren Jungs. Freuen sie sich über etwas, dann zeigen sie es mit voller Leidenschaft. Die Augen funkeln und sie strahlen pures Glück aus. Natürlich zeigen sie uns auch ihre Wut oder Traurigkeit. Und ja, das kann anstrengend sein. Oftmals liegt der Frust aber nicht an unseren Kindern. Wir Eltern sind beispielsweise gestresst oder müssen uns beeilen und erwarten dann von unseren Kindern, dass sie mal eben schnell das machen, was wir wollen. Aber – zum Glück – läuft es so nicht. Liam und Mael holen mich zurück, sie erden mich und ich habe wieder die Chance zu realisieren, was wir alle genau in diesem Moment brauchen.

Liam – unser Löwe

Liam ist mit seinen 4 Jahren ein echtes Phänomen.

Ich kann es nicht glauben, wieviel mich dieser kleine Mann bereits gelehrt hat! Wenn wir eine schwere Zeit hatten, ist es nicht seine Schuld! Liam ist ein echter Löwe und so manche Phase hat uns schon ans Ende unserer Kräfte gebracht. Aber Liam ist vor allem immer im Hier und Jetzt und wenn er merkt, dass ich gedanklich abdrifte, ist es so als würde er mich zurück holen, als würde er rufen „Mami, Mami, komm zurück! Wo bist du! Sei bei mir!“ In Wirklichkeit kann es so klingen: „Mamaaaaaa! Ich will nicht das T-shiiiiiiiirt ich wiilll das andereeee!!! Neeeeeeiiiiin! Ich hab Duuuuuurst! Neeeeiiiin das andere Glaaas!!“ usw…

Es ist ein Geschenk und gibt mir die Chance etwas zu ändern! Es ist nicht immer einfach, aber ich merke, wie wir daran wachsen. Gemeinsam.

Seitdem Liam realisiert hat, dass er großer Bruder wird, war er so fasziniert von allen Babys. Ich wusste, er wird ein toller großer Bruder.

Die erste Zeit war es natürlich nicht leicht. Liam hatte ordentlich mit seiner Eifersucht zu kämpfen und es schlug sich direkt auf seine körperliche Gesundheit aus. Er begann zu fiebern. Benni hat bewusst einen schönen Tag nur mit Liam verbracht und als er merkte, dass er uns nicht verliert hat schlagartig das Fiebern aufgehört. Der Wahnsinn, was die Psyche mit uns machen kann!

Und wieder habe ich so viel von meinem großen Sohn gelernt. Ich fand es einfach großartig von ihm, wie er seine Krankheit und sein Unwohlsein nicht direkt auf Mael projiziert hat, sondern die Emotionen gefühlt und dann gehen lassen hat.

Große Veränderung als großer Bruder

Auch eine große Veränderung, die ich an Liam erkannt habe, seitdem Mael geboren wurde: Kuscheln und Körperliche Nähe.

Als er einmal sehr wütend war und um sich schlug, meinte ich total ernst und lieb zu ihm “wenn du kuscheln willst, komm einfach zu mir”. Ich war so überrascht, als er plötzlich aufhörte und zu mir kuscheln kam.

Er erklärt mir immer wieder, dass er sehr viel kuscheln will – “jeden Tag!”. Das Kuscheln hatte er vor Maels Geburt fast immer verweigert, außer es gab einen Grund: wie z.B. Brust trinken, wenn er sich wehgetan hat oder in der Trage herumgetragen wurde.

Als er diese Nähe quasi teilen musste mit seinem Brüderchen, fiel es ihm schwer das in Form von “grundloser Nähe” sich wieder zu holen. Und tatsächlich kenne ich das von mir. Ich kuschel auch nicht so viel. Benni fragt mich manchmal, ob ich denn gar keine Nähe brauche. Aber ich fühle mich so gesättigt durch die ständige Nähe zu meinen Kindern, dass ich es tatsächlich manchmal vergesse. Und dann tut es mir auch unendlich gut, wenn Benni mich daran erinnert.

Und so wie Benni und ich über unsere Gefühle sprechen, tun wir es auch mit den Kindern.

Mit Kindern über Gefühle sprechen

Ich spreche bewusst immer wieder über unsere Gefühle beispielsweise mit Liam, wenn ich etwas spüre und er hört mir immer so aufmerksam zu. Ich glaube, dass das ein wichtiger Teil unserer Mutter-Kind Beziehung ist. Ich nehme ihn mit all seinen Gefühlen ernst.

Und so war es auch bei unserer Eingewöhnung im Waldorfkindergarten auf Teneriffa.

Vier Wochen war Liam hier im spanischen Waldorfkindergarten. An sich hat er gerne mit den Sachen gespielt und auch schon ein paar spanische Wörter/Sätze gelernt. Er mochte die Kinder sehr (mit zweien davon ist er befreundet). Allerdings hatte er einen Trennungsversuch eines anderen Kindes mitbekommen und fortan wollte er auf gar keinen Fall alleine sein bzw. alleine im Kindergarten bleiben. Er hat weiterhin mit den Kindern und Spielsachen gespielt, aber er vergewisserte sich alle paar Minuten ob einer von uns noch vorne im Warteraum sitzt.

Für uns ist es, wie bereits erwähnt, super wichtig die Gefühle unserer Kinder ernst zu nehmen und so hat es sich für mich unnatürlich und falsch angefühlt, beide Kinder in den Kindergarten zu geben. Mael ist für mein Empfinden einfach noch zu jung, und ohne Mael wollte Liam auf gar keinen Fall alleine im Kindergarten bleiben.

Natürlich frage ich mich, ob ich etwas anders oder besser hätte machen können. Aber auch dann darf ich wieder lernen auf mein Bauchgefühl zu hören und darauf zu vertrauen.

One thought on “Eltern-Kind-Beziehung

  1. Avatar

    Einfach wunderbar von euch geerdet zu werden und die fantastischen Spiegel unserer Kinder aufgezeigt zu bekommen.

    Wenn wir auf dieser Ebene mit unseren Kindern ankommen, haben wir eine Bindung- ohne frage!

    Vielen dank für Euer Sein und Liebe.
    Lisa

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