Weltreise mit Kind: Lieber riskant voller Liebe glücklich sein, als nie gelebt zu haben

Bevor ich mich für die Weltreise entschieden habe, hätte ich nie gedacht, dass ich mal eine „WELTREISE“ mache. Freunde und Bekannte schwärmten immer mal wieder von der Idee einer Weltreise. Wie toll es wäre, so viele Länder zu sehen, Kulturen zu entdecken und das alles mal seinen Kindern erzählen zu können!

Wie eine To-Do-List: möglichst viele Länder, in möglichst kurzer Zeit. So schafft man es dann, irgendwann mal sagen zu können: Ich war schon überall auf dieser Welt!

Für mich war das nicht erstrebenswert. Ich wunderte mich, wieso es mich nicht reizt jedes Land dieser Welt zu sehen und immer nur zu Reisen.

Mittlerweile weiß ich wieso!

Als Weltenbummlerin geboren

Ich habe es einfach schon immer so gelebt. Sowohl während meiner Kindheit und meiner 4-jährigen Kindheitserfahrung in Indien als auch als Flugbegleiterin war ich eigentlich schon immer unterwegs. Mein Leben lang reiste ich. Auch meine Herkunft kann ich heute nur schwer beantworten, denn da fallen mir gleich ganz viele Orte ein.

An dem Ort, wo ich am längsten gewohnt habe, waren es maximal 4 Jahre. Für mich ist das normal. Ich habe auch wenig Bezug zu Häusern, Wohnungen oder überhaupt materiellen Dingen. Nicht, dass ich es nicht mag, es ist eher, dass ich es so gewohnt bin.

Ich kann mich sehr schnell äußeren Gegebenheiten anpassen und fühle mich schnell bei Anderen Zuhause.

So habe ich auch mal darüber nachgedacht, ob ich eigentlich rastlos bin? Ja, das kann sein, aber irgendwie ergibt es sich immer so in meinem Leben. Ich könnte es ja jederzeit ändern. Manchmal sehne ich mich schon an einem Ort meine schönsten Dinge zu haben und eine „Base“ aufzubauen. Jedoch soll dieser Ort es Wert sein. Es soll schon etwas sein, wo ich merke, ja hier kann ich es tatsächlich ganz lange aushalten. Ich hab da so ein Bild im Kopf. Dazu gehören auch äußere Umstände, wie Freunde, Bekannte, ein Anbau – kurz gesagt eine Community.

Aber erst mal zur Weltreise.

Rückblick 2014

Benni sitzt auf dem Sofa schaut mich begeistert an und meint: „Lass doch hier einfach alles verkaufen und auf Weltreise gehen!

Ich schaue ihn etwas verdutzt an und frage halb ernst: „Ja und wie wollen wir das Ganze finanzieren?

„Naja das sehen wir dann! Es wird schon irgendwie funktionieren!“

Ich bin immer noch etwas erstaunt von dieser ernst gemeinten Rückantwort, sitze da mit dem Wissen, dass wir in einigen Monaten unser erstes Baby erwarten! Außerdem haben wir Schulden! Bei mir sind es so um die 4.000 EUR und bei Benni um die 12.000 EUR.

Ich sage in dem Moment nichts weiter zu dem Thema. In der darauffolgenden Woche denke ich unterbewusst immer wieder über Benni’s Worte nach. Ich bin freigestellt von meiner Flugbegleiterinnen-Tätigkeit, habe also viel Zeit zu lesen und über mein Leben nachzudenken.

Ich lese Veit Lindau’s „Seelengevögelt“ und er stellt mir immer wieder die Frage: lebst du schon? Machst du wirklich das, was dich begeistert, was dich glücklich macht? Oder wartest du noch auf den Tag X? (Zumindest ist das so grob in meinem Gedächtnis geblieben, die genauen Worte müsste ich nochmal nachlesen!)

An einem dieser „freien“ Tage packt es mich während des Lesens und ich muss mich bewegen. Ich gehe zum Telefon, rufe Benni auf seiner Arbeit an und verkünde ihm: „Warum nicht? Lass die Weltreise machen!“

„Wuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuh!!“ höre ich es kreischen aus der Leitung!

Es fühlt sich befreiend an, aufregend und erweiternd. Ein bisschen ungewiss, jedoch sehr sehr aufregend! Ängste stehen erst mal im Hintergrund, aber dazu später mehr.

Alles muss verkauft werden

Einen Tag später sind die ersten Einrichtungsstücke schon bei Ebay reingestellt.

Wir verkaufen! Alle unsere Möbel, all unseren Elektro-Kram. Nur vereinzelte Lieblingsstücke heben wir in Kisten auf. Diese werden eingelagert bei Benni’s Mutter im Keller.

Sogar Benni’s heiß-geliebter Porsche wird verkauft!

Wir misten aus, radikal. Zuvor waren wir schon begeistert von dem minimalistischen Lebensstil, besonders nach dem Buch „Simplify your Life“. Dennoch war noch genug zu tun und ich musste mich sehr überwinden, meine Sachen wegzugeben, denn ich horte gerne.

„Ich kann das ja noch irgendwann mal gebrauchen!“ JA -irgendwann! Und dann kannst du es dir ja besorgen, entweder gebraucht, leihen oder du kaufst es dir halt! Aber was willst du es jetzt die nächsten Jahre aufheben?

Es ist nur Ballast, den wir nicht brauchen! Also gut, ich gehe sogar soweit und verkaufe meine geliebten Schuhe! JA! Kaum zu glauben, ich hatte einen Schuhtick. Eine Zeit lang bin ich aus jedem Flugbegleiter Umlauf nach Hause gekommen und habe neue Schuhe gekauft. Die meisten davon waren für einen Anlass gedacht, der nie kam!

Lass es uns allen erzählen

Also machten wir Nägel mit Köpfen!

Die ersten Freunde und Bekannten erfahren von unserem Vorhaben.

EINE WELTREISE MIT BABY!

„Habt ihr euch das auch gut überlegt?“ „Was ist mit den Krankheiten?“ „Seid ihr auch gegen alles geimpft?“ „Was macht ihr wegen den ganzen U-Untersuchungen?“ „Überhaupt, der soziale Kontakt geht doch total verloren“ „Ihr könntet sterben“ „Seid nicht so egoistisch“ „So etwas könnte ich NIIIIEE machen!!“

-NEIN! Das müsst ihr auch nicht! Und nein, wir haben uns auch nicht im Detail überlegt, auf welch grausame Art und Weise wir alle sterben könnten!

Es gab diesen Moment – diesen Moment des Zweifels: Sollen wir das wirklich tun?

Was wäre wenn…?

Und ja es gab diesen Moment, wo wir auch das schlimmste Szenario einmal durchgegangen sind. Wir und auch unser Kind könnten auf der Reise sterben. Und direkt schoss uns die Frage hoch: aber wo ziehen wir da die Grenzen? Das ganze Leben ist gefährlich! Dann sollten wir morgen nicht mehr mit dem Auto fahren! Über die Straße laufen – lebensgefährlich! Und was machen wir nur, wenn wir mal in den Urlaub fliegen wollen! Kind da, Leben vorbei?

Nein! Jetzt erst recht! Wir wollen leben! Wir entscheiden uns dafür und zwar bewusst! Bewusst leben, lieben und glücklich sein! Frei sein!

Wir kommen schnell zu unserem Fazit: ein Leben, wo Benni von morgens bis Abends arbeiten geht, ich Zuhause bei unserem Kind bleibe, den Haushalt schmeiße und nur am Wochenende, wenn noch Kraft bleibt, mal etwas Aufregendes erlebe…

Benni würde Liam nur zwei Stunden am Abend sehen, bevor er ins Bett muss und unsere Beziehung würde noch viel weniger Zeit finden! Nein, dafür sind wir nicht bereit! Es ist das größere Risiko für uns und wir entscheiden uns noch einmal bewusst und voller Liebe für die Weltreise!

Lieber riskant voller Liebe glücklich zu sein, als nie gelebt zu haben!

Nach 6 Monaten Baby-Eingewöhnungszeit geht es für uns los! AUF WELTREISE MIT KIND!

5 thoughts on “Weltreise mit Kind: Lieber riskant voller Liebe glücklich sein, als nie gelebt zu haben

  1. Avatar

    Hallo Sandyha, hört sich gut an. Ich sag immer….
    Lieber nasse Füße, als im sicheren Boot dem Leben hinterher zu fahren. Genau aus diesem Grund habe ich mich nun selbstständig gemacht. Als Physiotherapeutin. Manchmal muss man das Unmögliche machen um es möglich zu machen.

    Ihr seid toll:-)))

  2. Avatar

    Liebe Sandy, ich verfolge eure Geschichte schon seit mehreren Jahren und bin daher begeistert.
    2 Fragen sitzen seit langem in meinem Kopf.

    1. werden wir irgendwann wieder die Möglichkeit haben euren Film zu kaufen? Wir leben in Australien und da ist ein Kinobesuch in Deutschland leider sehr schwierig 😉

    2. Mir ist bewusst, dass die Frage sehr individuell ist und sicher auf Familie, Kind, Gebärende, etc. ankommt. Aber aus eurer Erfahrung, mit dem Wissen eurer aller ersten Reise, mit wie viel Wochen/Monaten eures Erstgeborenen würdet ihr frühestens eine Weltreise starten?

    Viele liebe Grüße aus Down Under
    vicky

  3. Avatar

    Hey Sandy und Benni!
    Ich stehe vor der Entscheidung eine längere Reise außerhalb Europas zu unternehmen. Es soll eine Segeltour über den Atlantik werden. Dabei stehen Länder wie Gambia, Franz. Guyana u.a. auf der Liste.
    Meine 5 jährige Tochter soll mit dabei sein. Sie ist nicht geimpft. Bei diesem Thema komm ich nicht richtig weiter. Einerseits möcht ich mutig sein und vertrauen in uns und ins Leben haben. Andererseits fürchte ich mich doch vor Krankheiten wie Tollwut und Malaria. Doch noch kritischer sehe ich Impfungen.
    Wie habt ihr das gemacht. Seid ihr komplett ungeimpft? Habt ihr Malariagebiete gemieden?
    Ich freue mich auf eine Antwort von euch.
    Vielen lieben Dank und alles Gute euch.
    Herzliche Grüße Simone

    1. Benedict

      Hallo Simone! Wir sind alle ungeimpft. Das muss aber jeder für sich entscheiden, was sich gut anfühlt. Gegen Malaria kann man sich zB gar nicht impfen lassen. Sandhya und ihr Vater hatten in Indien beide mal Malaria und haben es über einen Monat natürlich behandelt und geheilt.
      Liebe Grüße, Benedict

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